Schriftgröße: A A A
Registrieren / Anmelden

Möbel und Design Guide 2011

Online-Shop

Verkaufspreis:
€ 14,90

 

Hier können Sie den Newsletter bestellen

 

Arman J. Vartian

Shop aussen

Broken Glass

Fragment sumak

Funky Heriz

Graffiti Two

Mirage

Newsletter

Teppiche sind gelebte Träume

Arman J. Vartian liebt Teppiche, deshalb macht er sie auch. Ihre Faszination beruht nach eigener Aussage auf der traditionellen Handarbeit, seiner Passion für Außergewöhnliches und einem unerschöpflichen Repertoire an Inspiration.

Wien, Lepoldstadt, Praterstraße 1 – ein lichtdurchfluteter, offen gestalteter Glaskubus im ersten Obergeschoß des neu eröffneten Stilwerk Wien – der Showroom von Vartian Rugs. Prachtvolle Teppiche auf den ersten Blick. Eine in ihrer Zurückgenommenheit fast poetisch anmutende Präsentation von Prachtstücken jenseits der gängigen und auf das Gemüt schlagenden Stapelware. Hier traf ich Arman J. Vartian und sprach mit ihm, wie es dazu kam. Und schnell wird klar, hier geht es nicht um Massenware.

Wer den Teppich liebt
„Für mich ist ein Teppich mehr als ein Einrichtungsgegenstand. Er steht für Individualität, Wohlbefinden und Harmonie. Ich wähle die Materialien für meine Kollektion mit größtmöglicher Sorgfalt. Und wenn man mich, wenn es um die  Qualität der Verarbeitung geht, als kompromisslos bezeichnet, dann bin ich das gerne und aus Überzeugung. Jeder Teppich, der unser Haus verlässt, soll so besonders sein wie der Mensch, der ihn betrachtet, ihn mit seinen bloßen Füssen fühlt oder einfach nur auf ihm sitzt. Das entspricht meiner Liebe für Teppiche, und wohl auch der meiner Kunden.“

Der Sohn armenischer Eltern hat die Knüpfkunst sprichwörtlich in die Wiege gelegt bekommen. Das Familienunternehmen Gebrüder Vartian Orientteppiche, in das er bereits nach der Matura eintrat, war jahrzehntelang prägendes Mitglied der österreichischen Orientteppich-Community. „Ich hatte so schon sehr früh die Gelegenheit viele Reisen in die Ursprungsländer der Teppich- knüpfkunst zu unternehmen.“ Auf einer Reise durch Pakistan lernte er einen Produzenten kennen, der damals auch am National College of Arts in Lahore unterrichtete. „Von ihm habe ich gelernt meine Liebe zu Teppichen in Worte zu fassen. Er konnte mit mir stundenlang über eine einzige Blüte sprechen. Über die zwölf oder fünfzehn Farben, die Outlines und die Materialien, die sie in einem Teppich sozusagen neu entstehen lassen. Ich habe diesem Mann viel zu verdanken.“

Teppich vom Dach der Welt
Arman J. Vartian produziert seine Teppichkollektion aber nicht in Pakistan oder Armenien, wo er einige Jahre erfolgreich einen Workshop betrieb, sondern am Dach der Welt – in Nepal. Teppich nach Maß und der für ihn typischen Handschrift. „Nepal ist das einzige Land der Welt, in dem Teppiche nach Maß gefertigt werden können. Seine Knüpfgeschichte begann mit der Annektion Tibets durch China. Die geflüchteten Tibeter bauten die Teppichproduktion Nepals, auf und ihre ersten Auftraggeber kamen aus den Vereinigten Staaten. Für Amerikaner zählt einzig und allein „custom made“ – die Einzelanfertigung. Und die Knüpfer in Nepal waren auch bereit, zu reproduzieren. Das heißt, ein und dasselbe Dessin exakt mehrfach zu knüpfen. Sie haben im Laufe der Jahre die Logistik und die Kontrollmechanismen, die dafür notwendig sind, vom Westen übernommen. Das und ihre unglaubliche Handfertigkeit macht die Knüpfer Nepals heute weltweit so einzigartig.

Über Qualität und Passion
Den hohen Qualitätsstandards von Arman J. Vartian entsprechen die bis zu 200 Knoten auf einem Quadratzoll Teppich. Das entspricht einer Fläche von exakt 6,4516 Quadratzentimetern. Im Vergleich dazu sei festgehalten, dass die meisten Anbieter von Handknüpfern mit 80 bis maximal 100 Knoten pro Quadratzoll, in den Farben auf vier bis fünf limitiert und selten mit mehr als zwei unterschiedlichen Materialien arbeiten. „Wir arbeiten knüpftechnisch auf der höchstmöglichen Qualitätsstufe. Das verdanken wir dem großen Know-how, den handwerklichen Fertigkeiten und Flexibilität unserer nepalesischen Partner.“Die Kombinationsmöglichkeiten von Material, Farbe, Form und Größe eines Teppichs sind nahezu unendlich.

Arman J. Vartian pflegt aber auch eine ganz besondere Passion, was das Material seiner Teppiche betrifft. „Wir verarbeiten ausschließlich nachwachsende, natürliche Materialien aus der Himalaya-Region wie Hanf, Riesen-Brennnessel, Seide, Wolle, Ziegenhaar oder Leinen. Durch die Mischung verschiedener Fasern erhält jeder Teppich völlig neue Eigenschaften. Für mich ergibt es keinen Sinn, Wolle in Containern von Neuseeland nach Katmandu zu schleppen. Der durchaus große Preisvorteil, den der Mitbewerb darin sieht, wird durch den Qualitätsnachteil aufgehoben. Hier haben wir doch das Beste sozusagen vor der Haustür und ich bin nicht bereit, mir in der Produktion ein Limit zu setzen. Die Wolle von Schafen, die extremen Witterungsbedingungen ausgesetzt sind, übertrifft einfach alles andere. Sie ist verarbeitet ungleich haltbarer.“ Und was hat es mit der im Zusammenhang mit Teppichen für Europäer mehr als exotisch anmutenden Riesen-Brennnessel auf sich? „Sie ist antibakteriell, was sie ideal für Allergiker macht und sie hat eine fantastische Farbgebung – sie ist beige meliert, von weiß bis dunkelbraun. Wir färben sie nicht. Wenn wir sie in einem Teppich mit Seide und Wolle verarbeiten, werden deren Farben immer an der natürlichen Färbung der Brennnessel ausgerichtet. Und im Übrigen ist Brennnessel auch extrem reißfest.“

Arman J. Vartian ist der kreative Motor von Vartian Rugs. Er selbst sieht sich aber nicht als Künstler oder Designer. „Es sind visuelle Momentaufnahmen aus dem realen Leben, die in meine Arbeit einfließen. Weder ich noch mein Partner setzten sich hin und versuchen kreativ – im Sinne abstrakter moderner Malerei – zu sein. Es geht um real Existierendes –eine Schallplatte, ein gebrochenes Glas, Papyrus oder ein Muster eines klassischen Teppichs aus dem 18. Jahrhunderts – das immer wieder zu finden ist. Ich nehme einfach das Leben wahr und mache mir dann Gedanken, wie ich es in unseren Teppichen visualisieren könnte. Im Grund genommen ich ein Konzeptionist. Ich entwerfe das gebrochene Glas nicht, es existiert. Ich wandle Dinge in unsere Materie um - darin besteht die eigentliche Herausforderung.“ Sein Repertoire an Inspiration ist damit unerschöpflich.

Carpet Design Award
Aus dem Vollen schöpfen aber auch seine Partner in Nepal. Vartian hat es sich zum Prinzip gemacht ihnen in der Umsetzung seiner Ideen kein Limit zu setzen. „Sie müssen die Freiheit haben, für die Umsetzung meiner Dessins die richtigen Materialien zu wählen. Sie arbeiten und entscheiden auf der Basis ihrer Tradition und ihrem großen handwerklichen Wissen. Wenn sie für einen Teppich einen Seidenanteil von 90 Prozent vorschlagen, weil sie nur dann die Struktur optimal sichtbar und fühlbar machen können, dann ist es so.“ Dass er mit diesem Zugang zur Materie wohl ziemlich singulär in der Branche dasteht, nimmt Arman Vartian seit Jahren in Kauf. Und der Erfolg seiner Kollektion gibt ihm Recht. Vor wenigen Wochen erhielt er auf der DOMOTEX in Hannover einen der begehrten Carpet Design Awards  – den ersten Preis in der Kategorie "Best Contemporary Design for Handmade Rugs - DeLuxe" für den Teppich „Broken Glass“. Ein Prachtstück mit Ziegenhaar verzwirnter Tibetwolle und einem Seidenanteil von 32 Prozent. Seine außergewöhnliche Wirkung erzielt er aber wohl in erster Linie durch den Einsatz und die Variation von 16 Farben. Allein diese Tatsache macht den „Broken Glass“ weltweit einzigartig.

Mehr Informationen:
VARTIAN RUGS
Stilwerk 1. Stock Shop 12
1020 Wien, Praterstraße 1
www.vartian-rugs.com

Share |