Wohnen, unsere Art zu leben
Vielfalt ohne Diktat. Moden diktieren, sofern man sich ihnen beugt. Trends sind, ebenfalls abseits eines Diktats, eine Art Orientierungshilfe. Ein im Idealfall fundiertes Navigationssystem, das Möbelhersteller, Designer und auch den Handel mit relativer Sicherheit elegante und ökonomische Lösungen für konkrete Bedürfnisse ihrer potenziellen Kunden finden lässt. Es kann also davon ausgegangen werden, dass die von einschlägig bekannten Institutionen jährlich veröffentlichten „Prophezeiungen“ durchaus mit Spannung erwartet werden. Für das Trendboard der imm cologne, der internationalen Möbelmesse Köln, waren dieses Jahr wieder fünf namhafte Kreative als Wohn-Auguren tätig: Eero Koivisto aus Schweden, Marcus Fairs aus England, Arik Lévy aus Israel, Stephen Burks aus den USA und Giulio Ridolfo aus Italien. Folgt man ihren Erkenntnissen, dann kommen schon bald „warme, rote Farbtöne, modernisierte klassische Formen und bunte Ensembles aus Massivholz, Kunststoff, Leder und Metall in die Wohnräume modebewusster Einrichtungsfans“.
Vier Geschmacksströmungen konnte das renommierte Quintett herausfiltern:
Erstens gilt der Trend zu Holz, Natur und warmen Farbtönen, die sogenannte „Tepee Culture“, als die stärkste Strömung der kommenden Saison. Zweitens der Trend zu Kunststoff, traditionellen Elementen und Blaugrün. Dafür steht „Extra Much“, geschmacklich geprägt von starken Kontrasten und einem „Zuviel“ – und angeblich längst von mutigen Kunden erwartet. An dritter Stelle stehen neue Klassiker, allerdings in der leichten, modernisierten Version des Trends „Re-Run Time“, in Beige und Braun. Und last, but not least, denn das Jahr ist noch jung, wird auf das Thema Natur gebaut. Als „Near and Far“ bezeichnet, bezieht sich dieser Trend vor allem auf Verarbeitungstechniken. Das heißt, Möbelgestalter setzen die Natur als „Mitproduzentin“ ein, indem sie zum Beispiel ein solides hölzernes Sesselgestell mit einem Hightech-Netzbezug verknüpfen … Wie immer man zur Trendforschung im Allgemeinen und den hier genannten Strömungen im Besondern stehen mag, es bleibt interessant zu beobachten, wohin die Reise geht. Wohnen ist oder soll immer Ausdruck der ganz persönlichen Art zu leben sein. Das ist jene Form von Luxus, die man sich auch dann leisten kann, wenn alle vom Sparen reden. Design schafft dazu die Möglichkeiten. Für jeden Wohnbereich gibt es auch dieses Jahr wieder eine große Vielfalt an Dingen, an denen man Gefallen finden kann – gutes Design inklusive. Und hier, da halte ich es mit Paola Antonelli, Chefkuratorin des New Yorker Museum of Modern Art, ist mehr fast immer weniger. Ob es ein Möbel schafft, zum Klassiker zu werden, oder ob es als Eintagsfliege durchfällt, entscheidet letztendlich immer der Markt. Und der sind wir alle.
Wir freuen uns, nun bereits die vierte Ausgabe des MÖBEL & DESIGN GUIDE präsentieren zu können – wie immer informativ und mit topaktuellen Daten und Fakten zu Neuheiten, Trends und Designern, ergänzt mit den themenspezifischen Listings ausgewählter Händler und Fachgeschäfte. Sie basieren auf intensiven Recherchen von meinem Team und mir in Zusammenarbeit mit Kunden und Partnerunternehmen. Und ich bedanke mich herzlichst bei allen Händlern und deren Mitarbeitern, die dank ihrer prompten Antworten wiederum wesentlich zum guten Gelingen beigetragen haben.
Anna M. Del Medico, Herausgeberin
PS: Im Kapitel Möbel & Design mit dem Symbol D gekennzeichnete Geschäfte führen in erster Linie bzw. ausschließlich Möbel und Accessoires in zeitgenössischem Design.

