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LUST AUF LUXUS

ART DÉCO MACHT FROH: WIE KUPFER, BRONZE ODER ROSENHOLZ DAS COMEBACK EINES LEGENDÄREN STILS ÜBEN.

VOLLES HOLZ VORAUS!

WIE KREATIVE DESIGNER DAS HOLZMÖBEL HEUTE
NEU ERFINDEN.
Man kann sie fast wachsen hören, in London und in
der Wiener Seestadt Aspern, wo dieser Tage das
höchste Holzhochhaus der Welt entsteht. Vielstöckige
Holzhäuser zählen zu den spannendsten Neuigkeiten
im Bereich der Architektur. Im Möbel design dauert
das Comeback des Naturmaterials schon länger an –
und überrascht dabei immer wieder neu. Wer durch
die Messehallen von Köln und Mailand spaziert, befindet
sich mitunter auf bestem Holzwege – und staunt
dann nicht schlecht. Echt wahr? Echtes Holz? Verweise
auf die aktuelle Eichenmode und auf hippes dunkles
Nussbaumholz greifen in solchen Fällen zu kurz.
Die jüngste Holz-Offensive macht nämlich keineswegs
beim perfekt geölten Vollholztisch halt. Stattdessen
geben uns Arbeits- und Tischflächen mit Rinden-
Abschnitt die Waldkante. Recyceltes Altholz setzt
„used look“-Akzente, während das Oberflächen-Finish
von samtig geschliffen bis Hochglanz reicht. Mitunter
steht Holz aber auch für ganz bestimmte Werte ein.
Davon zeugen Dauerbrenner wie helles Birkenschichtholz.
Seit der finnische Designer Alvar Aalto
damit experimentierte, signalisieren solche Möbel
Progressivität, Aufbruch, stete Lust am Experiment.
Dieses Lebensgefühl kommt auch heute gut an und
spornt Designer an. Den Schweizer Alfredo Häberli
etwa, der sich mit dem Vitra-Sperrholzstuhl „Jill“ nun
in die lange Reihe der Schichtholzpioniere stellt. Ihm
gelang etwas, das selbst den Plywood-Propheten
Charles und Ray Eames zeitlebens verwehrt geblieben
war: Nämlich die Produktion eines Stuhls aus einem
durchgängigen Stück Sperrholz. Extremer und in
immer dünneren Schichten verbogen wird die unendliche
Schichtholz-Geschichte von vielen anderen
weiter getrieben. Der Deutsche Stefan Diez verformt
be sonders dünnwandiges Schichtholz gar dreidimensional.
EHRLICHES HOLZ. Dass die Geschichte auch weiterhin
spannend bleibt, versteht sich da von selbst. Denn
Holz ist ein Werkstoff für alle Sinne, der eine Unzahl
von Bearbeitungstechniken erlaubt. Beispiel Karbonisieren:
Hier dunkelt Holz durch Wärme nach. Ein ganz
anderer Zugang, nämlich duftendes Zedernholz,
spielt indessen bewusst mit dem Thema Olfaktorik.
Genähtes Schichtholz, Rückkehr der Intarsien und
Freak-Furniere loten noch ganz andere Grenzen aus.

Sogar das Vernähen von Schichtholzteilen, das der
traditionellen Verarbeitung der Lederindustrie ähnelt,
zählt zu den Holz-Wegen der Gegenwart. Andere verflechten
laminierte Sperrholz-Streifchen so, dass sie
wie traditionelles Flechtwerk aussehen. Ganz so neu
ist das Prinzip Irritation freilich nicht. Davon berichtet
ein weiteres Comeback – nämlich die Rückkehr der
Intarsien. Während die Holzmöbelindustrie ohne die
dünnen Holzhäutchen der diversen Furniere undenkbar
ist, erblühten die letzten Rosenholz-Rosetten auf
Biedermeier-Kommoden. Doch im Zuge des Holz-
Hypes wurde auch die traditionelle Technik des Furnier-
Patchworks aus der Schublade geholt. All das ist
typisch für die Faszination, die der Werkstoff Holz
auf die besten Designer der Welt auch weiterhin ausübt.
Wobei: Das jüngste Comeback von Holz steht
auch für diffuse Sehnsüchte. Wer heute Furnier oder
gar Laminat sagt, der hat auch die Doppelbödigkeit
der Begriffe echt/unecht im Hinterkopf. Kein Wunder,
dass nach Jahren der Vernunftehe mit Formsperrholz
und MDF das Bedürfnis nach Authentizität
besonders schwer wiegt. Vollholz war einst der
Werkstoff der traditionellen Schreinerei und später
unökono mischer Luxus. Nun steht er ganz bewusst für
die „inneren Werte“ eines Produkts. Holz – das ist der
gute Kumpel, auf den man sich immer verlassen
kann.

HOLZ AUS DER RETORTE. Bleiben schließlich noch
jene Hölzer 2.0, die mit Bruder Brett nur mehr eines
gemeinsam haben: nämlich den Zelluloseanteil von
hundert Prozent. Das gilt für sogenannte Holzbleche,
die sich dreidimensional verformen, kanten, stanzen,
prägen oder fräsen lassen. Holzblech zählt zu den
Vorzeigeprodukten der neuen, auf Holz basierenden
Werkstoffe. Ähnliches kann auch vom sehr leichten
Material Wellboard behauptet werden – ideal für
Garten dächer, Paravents und ähnlichem. Hersteller
Well.de bietet es in sechs Profiltypen an, die sich allesamt
wie Holz verarbeiten lassen. Auch Composite
Solid Fiberboard ergänzt diese Palette der Holz-
Mutanten. Bestehend aus Holz fasern und Polymer,
verbindet es die Vorteile von Holz und von ökokorrekten
Kunststoffen. Mitunter reicht aber auch ein veränderter
Blickwinkel auf Alt bekanntes: Die schwedischen
Designer Form Us With Love setzen bei ihrer
Akustik-Paneele-Kollektion „Baux Träullit“ auf ganz
normale Holzwolle – als Schallschlucker.

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