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SINN UND SINNLICHKEIT

MÖBELSTOFFE, VORHÄNGE, TEPPICHE, TAPETEN,
FARBEN – DAMIT LÄSST SICH EIN RAUM SCHNELL,
ABER NACHHALTIG VERÄNDERN. IM TREND: DAS
SPIEL DER OBERFLÄCHEN, DIE RÜCKBESINNUNG AUF
DAS HANDWERK, BLAU- UND GRÜNTÖNE UND ALS
KNALLEFFEKT EIN KRÄFTIGES GELB.

SINN UND SINNLICHKEIT

In schnelllebigen Zeiten mit allumgreifender Technisierung
und gefühlter sozialer Kälte sind wir auf der
Suche: nach Wärme, haptischen Erlebnissen, Wohlbefinden,
Wertigkeit – auch im Interiordesign. Also
verwandeln wir unser Zuhause in ein gemütliches
Nest, in einen Ort des Rückzugs. Dafür eignen sich
Farben, Textilien und Teppiche besonders gut, denn
sie können schneller ausgewechselt werden als ein
Schrank, Bett oder Sofa. Manchmal genügen eine andersfarbige
Wand, neue Kissen oder ein schöner Vorhang
für einen Überraschungseffekt. Wie beeindruckend
Textilien wirken, dass sie Räume zuweilen erst
erschaffen, zeigte Sebastian Herkner mit seiner
Installation „Das Haus“ auf der diesjährigen Kölner
Möbelmesse imm cologne. 600 Quadratmeter Textilien
von Nya Nordiska transformierte er in Raumteiler und
Akustikpaneel. Für den deutschen Designer steht fest:
Das Stoffliche ist auf dem Vormarsch.
BITTE BERÜHREN! Oberflächen, die haptisch reizvoll
sind, sieht man derzeit überall: bei Möbeln und Tableware
ebenso wie bei Bodenbelägen, Teppichen und
Textilien – von soft bis rau und strukturiert. Création
Baumann beispielsweise hat die Kollektion Linen &
Friends aufgelegt. „Leicht und subtil in der Erscheinung,
erdig und pudrig in der Farbstimmung und herb
und sanft in den Materialkombinationen sollte die
neue Kollektion sein“, umschreibt Designerin Sibylle
Aeberhard das Konzept. Beispielhaft für die Kollektion
sind die Vorhangstoffe: Während der Dekorationsstoff
Scalino mit seinen abgenähten, rautenförmig zusammengefassten
Falten wie Origami anmutet, ist der Leinenstoff Linnus ein dichter, schwerer Vorhangstoff mit charakteristisch weichem Griff. Oder aber Kinnasand:
Icon aus der Kollektion Zoom wird von Hand im
Lasercut-Verfahren hergestellt und wirkt überaus
räumlich.

„SEELENFLÄCHEN UNSERER EINRICHTUNG“. Auf
Haptik und Struktur setzt auch Hella Jongerius, die für
Danskina fünf neue Teppiche entworfen hat, die in
Indien von Hand gewebt und getuftet werden. „Teppiche
können ein Statement sein und einen Akzent im Raum setzen“, sagt die niederländische Designerin.

Landscape heißt einer ihrer Entwürfe, der sich auszeichnet
durch die Verwendung unterschiedlicher
Garne, Florhöhen und spezieller Kanten. Dass gerade
handgefertigte Teppiche so beliebt sind im kontemporären
Interiordesign, verwundert jedenfalls nicht. Als
Unikate setzen sie sich wohltuend ab von massenproduzierten
Designs. Ihr Charme besteht in den sichtbaren
Spuren des Herstellungsprozesses, den kleinen
Fehlern, der Unvollkommenheit. Auch Caroline
Schmidtbauer, Design & Managing Partner beim Wiener
Architekturbüro Coop Himmelb(l)au, bestätigt,
dass „der Boden immer wichtiger wird, weil heutzutage
alles out of touch ist.“ Piero Lissoni geht sogar
noch einen Schritt weiter: Für den italienischen Architekten
und Designer ist der Boden nämlich als
„sechster Sinn“ die wichtigste Oberfläche eines
Raums überhaupt. Die Renaissance des handgefertigten
Teppichs fällt zusammen mit dem Comeback
des Handwerks allgemein, denn etwas von Hand Gefertigtes
berührt viel mehr als ein von Maschinen hergestelltes
Produkt, oder wie Jürgen Dahlmanns von
Rug Star sagt: „Teppiche sind Seelenflächen in unserer
Einrichtung, auf die keine Wohnung mehr verzichten
sollte. Es ist die Sehnsucht nach Entschleunigung
und einer Konsistenz, die sich nicht aus der Oberfläche
erklärt.“ Der abgepasste Teppich hat aber auch
ganz praktische Seiten: Er strukturiert den Raum,
sorgt für eine gute Akustik und hält schön warm. Kurz
gesagt: Er verwandelt reine Verkehrsflächen in echte
Aufenthaltsflächen.

BLAUE STUNDEN UND GELBE SONNEN. Und die Farben?
Betrachtet man die neuen Kollektionen von Herstellern
wie Ruckstuhl, Rubelli, Jim Thompson, Reuber
Henning, Little Greene oder Farrow & Ball, finden sich
dort auffällige viele Blau- und Grüntöne. Mi Casa und
Casita – Vorhangstoffe aus der Kollektion von Cristian
Zuzunaga für Kvadrat – kombinieren glänzende
Mélange-Garne mit matten, einfarbigen Garnen, wobei
die Farbpalette Akzente von zarten Grüntönen und
intensivem Blau enthält. „In Zukunft wird aber auch
Gelb eine wichtige Rolle spielen“, ergänzt Vorwerk-
Designerin Birgit Lorenzen. Mit Gelb nämlich kommt
die Natur in die Stadt und den urbanen Raum. Wenn
das keine sonnigen Aussichten sind!

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