FARBVERGNÜGEN 2011 – ÜBER EIN ANDERES GELB UND KAROS IN WEISS-BLAU.
Farben spielen bei allen modischen Strömungen eine entscheidende Rolle.
GELB IST NICHT GLEICH GELB.
„Du hast mir mein Orange verpatzt“, lautet die erste Zeile einer Ballade von Brigitte Wall Anfang der 1970er-Jahre. So ähnlich ergeht es uns immer wieder, wenn im Jahresrhythmus die neuen Farbtrends über uns „hereinbrechen“. Und spätestens Ende Jänner, auf der internationalen Möbelmesse in Köln, war es wieder einmal soweit. Es ging allerdings nicht dem Orange, der symbolhaften Lebensfreude, an den Kragen, sondern der Farbe Gelb.
Es gibt sie zwar noch, als sympathisches Sommersonnengoldgelb. Eine Farbe, die wärmt und wohlig stimmt, aber trendbestimmend ist sie nicht. Zumindest nicht in diesem Jahr. „Ganz im Gegenteil“, erklärt Axel Venn, „wir wollen sie loswerden. Wir sind dieser mediterranen Freundlichkeit einfach überdrüssig“, stellt der Farbexperte ganz und gar unsentimental fest. Axel Venn ist Professor für Farbgebung und Trendscouting an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim und einer der renommiertesten Männer seines Fachs. Nun richtet er sich mit seinen Farbstudien weniger an uns Laien denn an jene, die über Farben Kosmetika, Lebensmittel und selbstredend auch Möbel und die dazugehörenden Textilien verkaufen. Erhellend sind die Erkenntnisse des Professors allemal, für jedermann und jederfrau. Aber jetzt wieder zur Farbe Gelb. Den Mantel des Schrägen und des Herausfordernden muss sie sich in diesen Tagen überziehen lassen, wenn es nach international führenden Einrichtern geht.
„Das Gelb 2011 riecht nach Schwefel“, so Axel Venn. Ein Gelb mit hohem Anteil an Grau- und Grüntönen, das auf diese Weise eine eher zurückhaltende Note erhält. Weil wir es so haben wollen. Oder zumindest ein Teil von uns. Es erscheint immer häufiger in Begleitung von Schwarz und noch viel öfter als Kontrast zu einer Farbe, die derzeit die ganz großen Flächen besetzt, dem Grau. „Surprising Empathy“ haben die Trendforscher der Möbelmesse Köln diese Kombination von Grau und Gelb, fließenden Materialien und „kühlen“ Werkstoffen getauft. Und selbst wenn man es nur ungern zugeben mag, diese Mischung hat etwas. Damit gewinnt dieses neue Gelb, wenn auch erst auf den zweiten Blick, an Reiz und Sympathie. „Ich halte das für sehr elegant“, sagt Axel Venn.





